Mit Kuchen und Gitarren
Tag der offenen Tür im November
Markt 19. Am 6. November, einem Samstag, war es wieder soweit. Seit der Gründung des Fördervereins im Jahre 2003 öffneten zum dritten Mal die Türen des Stadtweinhauses. Direkt im Herzen des Ortsteils Burgsteinfurt - am Marktplatz - gab es für die Bürgerinnen und Bürger Steinfurts und Umgebung bei Kaffee, Kuchen und Musik ein attraktives Programm beim Tag der offenen Tür der Stadtbücherei. Neues und Bewährtes stellte der Förderverein vor.
Bereits ab zehn Uhr stand das Zelt des Bücherflohmarkts, der auch an jedem ersten Samstag eines Monats stattfindet. Allerdings draußen vor der Tür, als sichtbare Einladung sozusagen, bald von vielen Leserinnen und Lesern umringt. Das Wetter lud auch noch zum Stöbern ein, denn passionierte Leser wissen, dass man im Sommer zwar am Strand lesen kann, das Buch aber erst in der kalten Jahreszeit heimelige Stunden garantiert. Also die Gelegenheit, sich günstig mit Lektüre für den Winter einzudecken.
In der Bücherei lief derweil der normale Betrieb wie jeden Samstag. Aber als um 12.30 Uhr die reguläre Öffnungszeit endete, wurde es dort nicht still, sondern man hörte hinter den verschlossenen Türen manche Betriebsamkeit. Die Bücherei wurde für die Nachmittagsveranstaltungen hergerichtet, und das eingespielte Team der Bibliothek zusammen mit den Mitgliedern des Fördervereins öffnete kurze Zeit später die Tür. Leider strömte zunächst mehr Regen vom Himmel als Besucher in die Bücherei, darum wurde ein weiterer Flohmarktstand im Haus aufgebaut. Hier war das Stöbern auch angenehmer als draußen, allerdings auch enger.
Nicht wenige Besucher standen staunend vor der Chronik des Fördervereins im Spiegel der Presse, wo dessen Aktivitäten und Aktionen in Form von Zeitungsausschnitten dargestellt wurde. Man hatte das alles zwar schon mal gelesen, aber man war doch überrascht über die Menge und den Informationsreichtum der Artikel, die aus Platzgründen nicht mal alle gezeigt werden konnten.
Rainer Kühn, der in Burgsteinfurt ein Lektoratsbüro betreibt, führte derweil mit Hilfe seines Laptops eine Diapräsentation über die diesjährige Frankfurter Buchmesse vor. So konnten diejenigen, die noch nie dieses Event der Buchbranche erlebt haben, einen Eindruck bekommen, was die Messe so wichtig und interessant macht. Vor allem der Blick hinter die Kulisse der Bilder war interessant. Man sah auf der Leinwand bekannte Verleger und Autoren, und oft wurde der holperige Weg zum präsentierten Buch beschrieben.
Christine Dohr, Mitarbeiterin der Volkshochschule, stellte das aktuelle Hörfunk-Projekt der VHS vor mit dem Titel "Kinder lesen ihre Geschichte" und stand auch während des ganzen Nachmittags für Fragen zur Verfügung. Dieses Projekt wird logistisch unterstützt von der Stadtbücherei und dem Förderverein. Darüber wird noch gesondert berichtet, darum hier nur ganz kurz: Die Kinder proben am 6. Dezember ab 16 Uhr in der Stadtbücherei, die Aufnahmen werden später im Tonstudio der VHS mitgeschnitten und am 22. Dezember von Radio RST ab 20.04 Uhr ausgestrahlt.
In der ersten Etage der Stadtbücherei war die Cafeteria untergebracht. Hier stand Renate Albersmann mit ihren Mitarbeiterinnen hinter der imposanten Kuchentheke und sorgte dafür, dass Kopf und Bauch am Tag der offenen Tür ein ausgeglichenes Verhältnis hatten. Kaffee und Kuchen müssen sehr überzeugt haben, denn es waren immer alle Plätze zwischen den Buchregalen und rund ums Geländer besetzt. Von dort konnte man auch schön dem Treiben im Erdgeschoß zusehen.
Zwei Etagen höher, in der Kinderbuch-Abteilung ganz oben unter dem Dach, war das große Basteln angesagt. Hier bot die Schriftführerin des Fördervereins, Anke Bühne, während des ganzen Nachmittags in ihrer bewährten Art allen Kindern die Möglichkeit, kleine, aber nützliche Sachen anzufertigen. Eigentlich sollte damit den Eltern die Möglichkeit geboten werden, ungestört und allein bzw. zu zweit in der Bücherei zu schauen oder zu schmökern und zu blättern, aber auch so mancher Erwachsene wurde beim fröhlichen Basteln im Bibliotheksgiebel gesichtet.
Die Zahl der Besucher war über den Tag verteilt sehr unterschiedlich. Mal gab es schon leichtes Gedrängel, zumindest an bestimmten Stellen, dann wieder waren nur sehr wenige zu sehen. Aber viele Gespräche ließen die Zeit wie im Fluge vergehen. Sehr fruchtbar für die nächste Arbeit, konstatierte Willi Tebben vom Förderverein. Gegen 16:00 Uhr baute Rainer Kühn seine Technik ab, der Flohmarktstand draußen wurde geräumt, die Holzscheite im Kamin knisterten mittlerweile und verbreiteten eine wohlige Wärme, die Stadtbücherei füllte sich erneut. Es stand nämlich eine Lesung mit Erwin Schröder an, einem Autor aus Burgsteinfurt.
Erwin Schröder wollte sein Buch "Der Heiligenschein im Vollwaschgang" vorstellen, in dem es ihm - wie die versammelten ZuhörerInnen später feststellen konnten - gelungen ist, Religion und Satire miteinander zu verbinden. Aber das war noch nicht alles. Der Gitarrenkreis der Musikschule Steinfurt unter der Leitung von Maren Gaßel stand bereit, den musikalischen Part dieses Nachmittags zu gestalten. Acht Mitglieder der Gruppe nahmen seitlich vom Kamin Platz, und nach der Ansage des 1. Vorsitzenden Hans-Jürgen Rass spielten sie zuerst ein Stück von Georg Friedrich Händel, anschließend eines von Joseph Haydn. Was dem Publikum in dieser „Einstimmung“ geboten wurde, war Gitarrenmusik vom Feinsten. Nicht nur für passionierte Klassikhörer.
Der letzte Ton war noch nicht ganz verklungen, da stand auf einmal so eine schräge Figur mitten zwischen uns. Deplatziert und orientierungslos. Ob er nun durch die wohlklingende Musik angelockt worden war oder ob er sich einfach nur verlaufen hatte - wir wussten es nicht haben es doch erfahren. Jedenfalls war er von seiner Frau zum Einkaufen geschickt worden, sagte er. Und da er nun schon mal in der Bücherei gelandet sei, könne er seiner Frau ja auch noch ein Buch mitbringen. Aber welches? Er wurde von den Anwesenden, die ja auf Erwin Schröder warteten, mit guten Tipps versorgt. Ein Kochbuch, ein Krimi, ein Liebesroman vielleicht? Bei diesem Thema angekommen, stellte sich automatisch die Frage: Warum können Frauen so viele Liebesromane lesen und Männer nicht?
Unser redseliger Verirrter, der immer mehr mit Zuhörern ins Gespräch kam, demonstrierte anhand eines Blumenkohls, den er schon eingekauft hatte, und eines halben Walnusskerns den Unterschied zwischen einem weiblichen und einem männlichen Gehirn. Wir wissen nun, warum Männer keine Liebesromane lesen, und brauchen endlich nicht mehr darüber nachdenken!
Nach einigen weiteren Tiefsinnigkeiten über Bücher, Rätselhaftigkeiten im Allgemeinen und einem Jackenwechsel samt Entledigung der Schiebermütze im Besonderen stand plötzlich - leider, aber auch endlich - ein ganz (?) anderer Mensch vor uns: Der Komödiant stellte sich als eben Erwin Schröder vor, erzählte kurz, wie und warum er sein Buch geschrieben habe und berichtete nebenbei, dass der Schriftstellerberuf nicht gerade ungefährlich ist, wenn man z.B. sein Schreibutensil (Bleistift) falsch in den Mund nimmt. Natürlich haben die Hörer auch erfahren, wie man diese Unfallgefahr bannt. Dann stellte er seine Hauptfigur Achim und dessen Bekannte durch fix mit Bleistift gemalte Grafiken vor und begann mit der Lesung.
Locker und launig, heiter und hintergründig. Die Runde der Zuhörer wußte das zu würdigen: schmunzelnde, lachende Gesichter, manchmal Schenkelklopfen. Schön, dass man hier war, schien es zu bedeuten.
Immer wieder gab es Musik, wenn ein Kapitel beendet war, so von Georg Philipp Telemann. Und dann war´s zuende.
Weil aber die meisten gar nicht nach Hause wollten, traf man sich zu letztem Kuchen und allerletztem Kaffee noch in der Cafeteria.
Der Förderverein konnte insgesamt 392,- Euro einnehmen, was die Erwartungen übertroffen hat. Das Geld fließt zu 100% in Form von Medien in die Stadtbücherei Steinfurt und der Förderverein sagt allen Dank, die an diesem Ergebnis beteiligt waren.
Im Jahr 2005 gibt es wieder einen "Tag der offenen Tür" in der Stadtbücherei Steinfurt.
Wir laden jetzt schon ein.
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