Dr. Schilling macht früh Feierabend
von Alfons
Wenker
„Das Türschild könnte auch mal erneuert werden,“ dachte Dr. Schilling, als er auf die Klingel drückte. Heute hatte er es geschafft. Wie oft hatte Frau Ermke ihm in den Ohren gelegen. „Sie müssen unbedingt nach Frau Schriewer sehen, meiner Schwester. Sie wohnt neben mir. Sie verkommt im Müll. Wovon sie sich ernährt, weiß ich nicht. Sie wird von Tag zu Tag klappriger; aber helfen lassen will sie sich nicht. Sie glaubt, ich sei die Rektorin der Schule, an der sie unterrichtet hat. Es ist ein Elend.“
„Der übliche Fall von Verwahrlosung, das ist schnell geregelt,“ dachte Dr. Schilling. Er hatte hier im Süden Mecklenburgs eine Arztpraxis eröffnet, zusammen mit Frank, seinem Studienfreund. Etwas Bauchschmerzen hatte er gehabt. Als er seine Pläne in die Tat umsetzte, war ihm, dem Westfalen, der Osten doch völlig unbekannt. Es hatte gedauert, bis er nicht mehr der „Wessi-Doktor“ war.
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